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Lebensläufe, die davonlaufen

Kompetenz ist das, was von Dir übrigbleibt, wenn Du Deinen Lebenslauf verlegt hast

Antje

 Lebensläufe sind so gefragt wie selten. Zuweilen werden sie gerne zerpflückt. Und der oder die Überlebende kann froh sein, wenn er oder sie sie es mit den Korrekturen nicht übertrieben hat. Lebensläufe sind geniale Instrumente, um den Blick vom Wesentlichen abzulenken. Bloß keine Lücke zu viel!         

 

 Die Lücke ist das Problem, die Lösung häufig fragwürdig und am Ende sind Etliche verwirrt. Insbesondere die Hauptperson in dem ganzen Gemenge.  Ich kann mich beileibe nicht davon freisprechen, nicht jede Phase meines Lebens in Worte fassen zu können  - geschweige denn es zu wollen.  Ich weiß aber sehr gut, dass sich mein Bedürfnis nach Authentizität und das tiefe innere Wissen, mir nichts vorwerfen zu müssen, mit dem Bedürfnis eines Entscheiders im Personalbereich nach Überblick und einer klaren Linie reiben kann. Ich kenne die Gründe. Und das, was ich in diesen Lücken geleistet habe, das ist nicht verhandelbar. 

 

 Der rote Faden, der sich da durch unser Verständnis von Leistungsfähigkeit und Kompetenz kräuselt, ist alles andere als ganzheitlich, aufgeschlossen und achtsam gestrickt. Er wickelt sich noch arg begrenzend um die Köpfe derer, die sich an der Norm orientieren. Punkt. Ist so. Aber muss uns das selbst einengen und begrenzen? Ist es nicht an uns, dafür zu sorgen, dass wir uns neu positionieren und in dem richtigen Licht unserer wundervollen Unregelmäßigkeiten wahrgenommen werden. Wir stellen die Welt der Aussortierer auf den Kopf und konfrontieren mit Lebensmodellen, die höchst kreativ, eigenwillig und sehr menschlich sind.  

 

Was machen wir nun damit? An unserer inneren Einstellung arbeiten!  Auch der Personaler mit der eckigen Brille will nur seine Arbeit machen und dies, so wie er es gelernt hat und wie er es kann. Er agiert gemäß den Vorgaben, die ihm der Betrieb auf den Tisch legt und den Vorstellungen, die er von Kompetenz hat.

 

 Wir können ihn dennoch anregen, den Blick zu weiten, indem wir selbst ganz genau hinschauen, ob in den vermeintlichen Lücken nicht doch Dinge passiert sind, die sich auch auf unser berufliches Profil positiv beziehen lassen. Was hast Du gelernt, was hast Du erforscht, welche Skills und Tools hast Du Dir angeeignet?  Kannst Du diese neuen Fertigkeiten ausdrücklich benennen?  Komm selbst in Deine Gegenwärtigkeit, in das HIER UND JETZT und antworte positiv auf die Bedenken, wenn es ansteht.   

 

 Sei stolz auf Dein Leben, auch auf die Schleifchen, die Deine Tour schmücken.  Sei stolz darauf, dass Du Deine Lieben gepflegt, Deine Krankheit überwunden oder die Arbeitslosigkeit mit Einsatz und Anmut überstanden hast. Dennoch: In der Kommunikation mit Menschen, die diese unglaublichen Leistungen nicht so einschätzen können wie Du, weil ihnen der Sinn dafür fehlt und/oder ihre Aufgabe schlichtweg eine andere ist – nämlich die Suche nach den konkreten Vorteilen für ihr Unternehmen – ist es wichtig, auf den Punkt zu kommen.  Übe das!  

 

 Ich denke, wir alle können uns Ehrlichkeit leisten. Wie auch den Blick über den Tellerrand, Ich halte überhaupt nichts davon, um jeden Preis an einem Lebenslauf herumzukritteln, nur weil er sich nicht in die allgemeinen Vorstellungen der Brauchbarkeit einfügen will. Und ebenso wenig davon, maßlos aufzuhübschen, was in der schlichten Variante bereits beachtenswert ist.   

 

 Ich wünsche mir für alle mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den eigenen Geschichten. Dies macht auf die Dauer unwiderstehlich und wird unweigerlich zur Folge habe, dass wir vielleicht nicht den Job oder den Auftrag an Land ziehen, den wir haben wollen, aber da landen, wo wir zutiefst gewollt sind.

 

Wenn ich mir überlege, welcher Erfahrungsschatz da ans Licht kommen könnte …Wow!

Schönen Tag noch

Antje